Bei diesem Artikel geht es um die im Moment viel diskutierten Zölle. Wir halten diesen Artikel für absolut lesenswert, weil er sachlich auf die jetzige Lage eingeht und versucht, die Auswirkungen auf die Märkte zu beschreiben.
Mit freundlicher Genehmigung der Investmentgesellschaft MFS stellen wir Ihnen den Artikel von Rob Almeida – Portfoliomanager und Global Investment Strategist – zur Verfügung.
Im Überblick
■Investieren ist einfach und schwierig zugleich.
■Wer zahlt? Der Verbraucher oder der Hersteller?
■Unternehmen mit wenig Wettbewerbsdruck sind besser geschützt.
Höhere Margen durch billige Produktion in fernen Ländern waren eine große Verlockung für die Industrie und der Grund für die jahrzehntelange Globalisierung. Ein riesiges, integriertes Lieferkettennetz entstand. Wie komplex es ist, erkennen die Marktteilnehmer meiner Meinung nach erst jetzt.
Nehmen wir als Beispiel eine einfache Jeans. Manche US-Hersteller beziehen die Baumwolle vor Ort, die meisten aber aus China, Indien und Pakistan. Für teurere Hosen kommt sie oft aus Simbabwe, der Türkei und Ägypten. Gefärbt wird häufig in China und Deutschland, Japan liefert Reißverschlüsse. Und das ist noch längst nicht alles. Aber zumindest haben Sie schon einmal einen ersten Eindruck.
Investieren ist einfach und schwierig zugleich.
Einerseits ist Investieren sehr einfach, andererseits aber auch sehr kompliziert. Einfach ist es, weil sowohl der Aktienkurs als auch dessen Volatilität von den Cashflow Erwartungen abhängen. Schwierig ist es, weil wir die Zukunft nicht kennen und sich die Gewinnerwartungen immer wieder ändern – bei neuen Informationen bisweilen auch radikal.
In den letzten Wochen kamen dann auch Zweifel an den bisherigen Gewinnerwartungen auf, und die Volatilität nahm zu. Wegen Trumps Zollplänen, der zunehmenden politischen Unsicherheit und des wachsenden Bewusstseins für die Komplexität der weltweiten Lieferketten.
Lässt sich dafür ein einfaches Modell konstruieren?
Wer zahlt? Der Verbraucher oder der Hersteller?
Tariff, das englische Wort für Zoll, stammt aus dem Arabischen. Ursprünglich bedeutete es „Bekanntmachung“. Schon im Mittelalter wurden Zölle so bezeichnet. Man kann sie sich als Steuer oder Gebühr vorstellen.
Investoren und Marktbeobachter sind sich über die wirtschaftlichen Folgen von Zöllen uneins. Wichtiger sind für sie aber ohnehin die finanziellen Auswirkungen. Irgendwer muss die neue Steuer schließlich bezahlen. Da die Aktienkurse von den Unternehmensgewinnen abhängen, ist für Investoren eigentlich nur eines spannend: Zahlt der Verbraucher – oder der Hersteller?
Wer Güter mit einer wenig preiselastischen Nachfrage produziert, kann Kosten an seine Kunden weitergeben. Das kann etwa dann der Fall sein, wenn es nur wenige Substitutionsprodukte gibt und das eigene Produkt besonders hochwertig ist. Dann droht wenig Wettbewerb, und der Hersteller kann den Zoll an seine Kunden weitergeben. Der Verbraucher trägt also die Last. Die Inflation steigt, und das Wirtschaftswachstum lässt nach, weil die Verbraucher dann weniger Geld für andere Dinge haben.
Ist ein Gut hingegen sehr preiselastisch, weil es Substitutionsprodukte gibt, muss der Hersteller die Last tragen. Seine Marge schrumpft.
Mehr und mehr geht man an den Märkten davon aus, dass Zölle die Unternehmensgewinne dämpfen. Aber es muss nicht immer so sein. Meiner Meinung nach wird es beides geben: Die Verbraucher tragen die Zölle auf Güter, auf die sie nicht verzichten können – und Hersteller von leicht substituierbaren Produkten werden mit schwachen Gewinnen enttäuschen.
Unternehmen mit wenig Wettbewerbsdruck sind besser geschützt
Wir leben in einer Marktwirtschaft. Unternehmer streben nach Ertrag, auch zulasten der Konkurrenz. Wer sich dem erwehren kann, muss über besondere Wettbewerbsvorteile verfügen; die Markteintrittsschranken müssen also hoch sein. Dann hält sich der Wettbewerb in Grenzen, und die Gewinnmargen sind nicht gefährdet.
Zum Beispiel: man verkauft ein Gerät mit fünf bis zehn Jahren Lebensdauer, das regelmäßig Verbrauchsmaterial und Wartung benötigt. Der Produktzyklus ist lang, weil neue Therapien oder Medikamente meist erst nach vielen Jahren marktfähig sind. Die Kunden, die großen Wert auf Qualität legen, sind durchaus bereit, für Qualität und Verlässlichkeit etwas mehr zu zahlen – zumal die Ausgaben verglichen mit anderen Kostenblöcken ohnehin nicht allzu hoch sind.
Natürlich haben wir es hier mit komplexen internationalen Lieferketten zu tun, und natürlich werden die Kosten bei einem Zollkrieg steigen. Da es ohne ihre Produkte nicht geht und die Kunden ihnen sehr vertrauen, könnten diese Hersteller im Gegensatz zu anderen Branchen vor Substitutionsrisiken geschützt sein.
Rob Almeida
Ihr SchrammFinanz Team